Das Museum Ostwall und die TH Köln forschen an „Thermo-Elektronischer Kaugummi“

Wer in den vergangenen Jahren im Museum Ostwall war, kennt die begehbare Raum-Installation „Thermo-Elektronischer Kaugummi“ von Wolf Vostell. Sie besteht aus Tausenden Löffeln und Gabeln, die zwischen Stacheldraht-Zäunen am Boden liegen. Die Besucher*innen sind eingeladen, mit einem Töne erzeugenden Koffer in der Hand über den Besteck-Teppich zu laufen. Kunstwerke wie dieses stellen Museen vor große Herausforderungen: Einerseits soll es aktiv genutzt, andererseits für die Nachwelt erhalten werden. Wie sich beides unter einen Hut bringen lässt, daran forschen das Museum Ostwall gemeinsam mit Prof. Gunnar Heydenreich und Julia Giebeler vom Cologne Institute of Conservation Sciences der TH Köln aktuell in einem von der Wüstenrot Stiftung geförderten Projekt. Beteiligt sind Restauratorinnen, Kuratorinnen, Technikerinnen und der Sohn des Künstlers, Rafael Vostell.

Wolf Vostells Installation „Thermoelektronischer Kaugummi (T.E.K.)“ stammt aus dem Jahr 1970 und befindet sich seit 1971 im Besitz des Museums Ostwall. Es gehört heute zu den wichtigsten Kunstwerken der Sammlung. Die raumgreifende und begehbare Installation erinnert an menschliches Leid durch Flucht und Verfolgung und weckt Assoziationen an Konzentrationslager.
Stacheldrahtpfeiler, Enge und Lärm, den man durch den Gang auf Essbesteck als Besucher*in selbst verursacht, erzeugen ein beklemmendes Gefühl. Mit einem Koffer in der Hand und einem Kaugummi im Mund treten die Besucher*innen ihren Weg an. Aus dem Koffer ertönen dabei immer wieder Radiogeräusche oder ein unangenehmer Sinuston. Zusätzlich wird die wirre Geräuschkulisse durch die elektronisch verstärkten Kaugeräusche überlagert.


Es gehört zur Intention des Künstlers, dass das Kunstwerk benutzt und seine Wirkung körperlich erfahren werden soll, andererseits ist es eine der wichtigsten Aufgaben eines Museums, Kunst dauerhaft für die Nachwelt zu erhalten. Wie sich die künstlerische Idee und konservatorische Vorgaben vereinbaren lassen, wurde nun zwei Jahre lang am Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der TH Köln untersucht. Ziel ist es, ein neues Entscheidungsmodell für die Konservierung von interaktiven Kunstwerken praktisch zu überprüfen und es anzupassen.
Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des Museums Ostwall, das der TH Köln im Jahr 2019 vorgeschlagen hatte, Wolf Vostells Arbeit T.E.K. zum Forschungsobjekt zu machen. Das Werk war zwar seit vielen Jahren im MO präsentiert worden, auf die namengebende Komponente – das Kaugummi – wurde jedoch bisher aus konservatorischen Gründen verzichtet. Eine weitere Herausforderung besteht darin, die originalen technischen Geräte zu pflegen und instand zu halten.

Prof. Dr. Gunnar Heydenreich (TH Köln) vor der Installation „Thermo-Elektronischer Kaugummi“ von Wolf Vostell,
Credit: Roland Gorecki, Dortmund Agentur


Im Forschungsprojekt wurde T.E.K. nun ausführlich hinsichtlich seiner Einzelkomponenten und der Werkgeschichte untersucht, um eine Grundlage für die Entwicklung einer Präsentations- und Erhaltungsstrategie zu schaffen. Das daraus entstandene Konzept wird nun mittels eines Probeaufbaus überprüft. Es geht um neue technische Komponenten, aber auch darum, die raumgebenden gestalterischen Aspekte der Installation zu testen. Im Anschluss daran können die geplanten Maßnahmen und Parameter für die künftige Präsentations- und Erhaltungsstrategie formuliert, geplant und durchgeführt werden.
Während der Probeinstallation in der Sammlung des Museum Ostwall auf der 4. Etage des Dortmunder U diskutieren die leitenden Restaurator*innen des Forschungsprojektes Prof. Dr. Gunnar Heydenreich und Julia Giebeler ihre Ergebnisse mit Lisa Schiller (Restauratorin des MO), Nicole Grothe (Leiterin der Sammlung des MO), Robin Lockhardt (Tontechniker) sowie Rafael Vostell, Sohn des Künstlers.

Regina Selter, stellv. Direktorin des MO, in der Installation „Thermo-Elektrischer Kaugummi“
Credit: Roland Gorecki, Dortmund Agentur

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